Kennt ihr dieses Phänomen? Ihr lernt etwas neu kennen und trefft dann auf diese Sache, dieses Ding in Kürze gleich wieder? Ich bin mir sicher, ihr kennt das. Mir ist das in den vergangenen Tagen mit der Isabella so gegangen.
Ich war gerade mit dem Fahrrad inklusive Anhänger und OHNE Motor den Berg, naja, nennen wir ihn Hügel, hinauf unterwegs zu unserem Haus, als mir unsere Nachbarin winkte, mit einem Glas in der Hand. Ich solle einfach weiterfahren, meinte sie, sie würde mir beim Vorbeifahren einfach das Glas in den eh nicht ganz verschlossenen (weil Reisverschluss kaputt) Anhänger stellen. Zu meinem Sohn dazu. Der sich auch darin befand. Während sich sein Laufrad auf dem Anhänger befand. Aber das ist eine andere Geschichte.
Jedenfalls begegnete ich so zum ersten Mal in meinem Leben – Isabella. Denn als ich schließlich zu Hause ankam und nachsah, was meine Nachbarin da hineingestellt hatte, las ich auf dem handgeschriebenen Etikett: „Isabellaweintraubenmarmelade“. Noch nie gehört, muss ich kosten, dachte ich. Und siehe da: Ein mir gänzlich unbekannter Geschmack entfaltete sich in meinem Mund, in den ich mich auf der Stelle verliebte und mein Gehirn konnte nur mehr eines denken: Mehr davon! Wo krieg ich mehr davon her?
Ich beruhigte mein schließlich nach drei Broten, die ich mir ob der Fahrradfahrt mit Anhänger und ohne Motor eh verdient hatte, mein Gehirn und versteckte das Glas zur Sicherheit ganz hinten im Kühlschrank. Meins.
Und so nahm die Woche ihren Lauf, in der ich knapp 50 Frauen in Stimm- und Sprechtechnik unterrichten durfte: Pädagogische Assistentinnen und Chorsängerinnen – so tolle Frauen!
So unterschiedliche Frauen, denen ich allesamt neben dem Stimm- und Sprechtechniktraining ganz allgemein mitzugeben versucht habe, dass sie viel öfter ihre Stimme erheben dürfen, sollen, müssen!
Dass sie es wert sind, gehört zu werden. Dass sie viel zu oft viel zu leise sind. Ihre Gedanken nicht mitteilen, ihre Meinung nicht sagen. Sondern nett lächeln. Weil eine Frau schließlich nett zu sein hat. Und schön.

In unserer doch nach wie vor männerdominierten Gesellschaft haben trotz aller emanzipatorischer Tendenzen Frauen immer noch viel zu wenig Präsenz!
Überhaupt habe ich den Eindruck, dass viele neue Tendenzen in eine den Frauen nicht dienliche Richtung abgleiten…
Zu warten, bis uns die Männer diese Präsenz geben ist der falsche Weg. Dafür sind die Männer auch gar nicht unbedingt zuständig. Wir können und dürfen und sollen uns um uns selbst kümmern.
Werden wir Frauen also präsenter, in dem wir sagen, was wir denken!
Frauen erhebt eure Stimmen und teilt mit der Gesellschaft die Fülle eurer Gedanken und Erfahrungen! Sodass die Gesellschaft eine bessere werden kann. Eine, in der Empathie im Vordergrund steht.
Ihr sitzt an den Nervenzentren der Gesellschaft – in den verschiedensten pädagogischen Einrichtungen, im Gesundheitswesen, in der Pflege. Ihr habt so viel gesehen und erfahren und ihr habt so viel zu sagen!
Diese oder ähnlich Worte baue ich stets in die Arbeit mit Frauen ein. Da ich das so wichtig finde. Noch dazu als Mutter von fünf Töchtern.
Nachdem ich nun auch in dieser Arbeitswoche diese oder ähnliche Worte an die Frau gebracht hatte, ist eine dieser Frauen auf mich zugekommen mit einem kleinen Geschenk: Einer Schachtel voller Isabella-Weintrauben. Als Dankeschön für meine Arbeit. Was soll ich sagen?!
Die Isabella-Weintraube ist übrigens eigentlich keine neue Erfindung – für al jene, die sie auch nicht kannten, so wie ich. Sie dient sogar als Grundlage eines doch recht bekannten Getränkes: Der Uhudler aus dem Burgenland wird aus dieser Weintraube gemacht. Ich werde mir demnächst einen Karton davon schicken lassen. Denn die Marmelade und die Beeren sind schon aus. Alles alleine aufgemampft – auch Mütter müssen nicht alles teilen.
Eure Michaela







