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Was ich meinen 5 Töchtern sage oder: Meine Gedanken zum Thema Arbeitsteilung und Tradwives 

Was ich meinen 5 Töchtern sage oder: Meine Gedanken zum Thema Arbeitsteilung und Tradwives 

Ich bin seit mehr als 17 Jahren Mutter. Und immer noch betreue ich ein Kleinkind. Denn während meine älteste Tochter bald 18 wird, ist mein Jüngster erst knapp drei. Seit fast zwanzig Jahren bin ich also zuständig für ein junges Kind. Und das wiederum bedeutet: Obwohl ich bereits 41 Jahre alt bin, habe ich NOCH NIE VOLLZEIT gearbeitet! Was nicht heißt, dass ich nicht täglich sogar mehr als die üblichen 8 Stunden arbeite. Aber das muss ich wohl nicht extra ausführen. 

Dennoch: Ich habe auch NIE NIE gearbeitet. Das Verb „arbeiten“ steht in diesem Fall symbolisch für das Erledigen von Erwerbsarbeit. Oder um es in Anlehnung an des Kanzlers Worte diesen Sommer zu sagen: Das Verb „arbeiten“ steht nicht für diese Art von Tätigkeit, die ich ja eh gern tue. So wie eben die Betreuung bzw. Begleitung meiner Kinder auf dem Weg ins Erwachsenenleben. Wobei – ich mach auch meine Erwerbsarbeit richtig gern. Manchmal ist mir diese sogar lieber als die mit den Kindern. Aber das ist eine andere Geschichte. 

Das mit dem Gernetun ist also so eine sagen. Es muss eben getan werden, was getan werden muss. Und Kinder zu bekommen gehört für mich persönlich jedenfalls zu meinem Must-Have Plan für mein Leben. Doch wie man sich die Tätigkeiten, die rund um das Thema Familie so anfallen, aufteilt, das ist eine andere Sache. 

Denn würde ich z.B. mit meinem Job genau so viel verdienen wie mein Mann, dann könnte ich mir durchaus vorstellen, zumindest 50-50 zu machen. Doch IN DER REALITÄT funktioniert das nicht. Denn weder als studierte Theaterwissenschafterin noch als Pädagogin verdiene ich so viel wie mein Mann als Arzt. 

Selbst schuld, könnte man mir sagen, hättest halt auch Medizin studiert, dann vier Jahre den Allgemeinmediziner und anschließend noch fünf Jahre Facharzt-Ausbildung gemacht. Ja, stimmt. Hätte ich auch machen können. Dann würde ich so viel verdienen wie mein Mann. Aber genau da liegt der Hund begraben. 

Hätte ich das also etwa nicht machen können? Doch, das Medizin-Studium hätte noch klappen können (wäre ich nicht naturwissenschaftlich so unterbelichtet wie ich es eben bin), doch spätestens beim Turnus, den es damals noch gab und dann bei der Facharzt-Ausbildung hätte es mich auf Grund der sechs Schwangerschaften inkl. Stillzeit und Stilldemenz zurückgeworfen. 

Fertig wäre ich vielleicht jetzt dann schön langsam trotzdem. Mit Anfang 40. Während mein Mann bereits mit Anfang 30 alles in der Tasche hatte. 

Nein, ICH BENEIDE IHN NICHT. Ich würde auch gar nicht tauschen wollen. Ich würde weder den Job an sich wollen noch die vielen (wir reden hier von um die 65 pro Woche!) Arbeitsstunden. Was der alles zu Hause verpasst! 

Trotzdem wurmt es mich manchmal, dass es selbst, wenn ich es wollen würde, echt nur schwer möglich wäre. Dass das 50-50 Modell so schwierig ist. Weil der Bezahl-Gap so groß ist. 

Man denke dabei nur an die vielen weiblich dominierten Berufe wie Kindergärtnerinnen, Friseurinnen, Altenpflegerinnen, Krankenschwestern – die SIND JA ALLE UNTERBEZHALT meiner Meinung nach! Im Vergleich dazu verdienen Automechaniker, Tischler und Co. das doppelte. Warum eigentlich? 

IST ES SCHWIERIGER, ein Auto zu reparieren, als jemanden zu pflegen? IST ES WICHTIGER, sich mit Wirtschaft zu beschäftigen als mit Pädagogik? 

Tatsächlich sehe ich ein, dass mein Mann als Notarzt mehr verdient als ich als Sprechtrainerin. Wobei – auch ich helfe Menschen. Ich rette zwar keine Leben, aber meine KundInnen fühlen sich danach wohler, gefestigter, selbstbewusster und trauen sich öfter etwas laut zu sagen als davor. Das erhöht durchaus die Lebensqualität. Trotzdem – bei einem Unfall ist man dann doch wohl froh, wenn mein Mann kommt und nicht ich….

Abgesehen von diesem Gender Pay Gap Thema stelle ich mir immer wieder diese eine Frage, die vielleicht bei mancher Frau die Grundlage für die Entscheidung für oder gegen Kinder darstellt: 

Wieviel Zeit muss/darf/soll ich bei meinen Kindern sein? Und wieviel Zeit gehört auch als Mutter noch immer mir selbst? Mir und meinen Interessen, meinem Beruf. 

Und ab welcher Stundenanzahl an Fremdbetreuung bin ich eine Rabenmutter? 

Mit dieser Fragestellung sind wir Eltern alleine. Was ist genug? Und wieviel ist zu wenig? Auf die Schulter klopft uns auch nie jemand, wenn wir etwas gut machen. 

Darf ich überhaupt einem Beruf nachgehen, wenn ich so viele Kinder habe? Hätte ich mir das nicht vorher überlegen müssen/dürfen/sollen? Beides ist halt einfach zu viel. Oder braucht es genau beides, damit das eine dem anderen Kraft geben kann? 

Also bei mir ist es jedenfalls so: Ich würde weder gerne Vollzeit erwerbstätig sein wollen noch Vollzeit bei den Kindern sein. Das habe ich eigentlich durchaus bereits seit langer Zeit für mich so entschieden. 

Ich finde es schön, mich selbst beruflich weiterzuentwickeln und gleichzeitig an den meisten Nachmittagen voll und ganz zu Hause zu sein. Wobei zu Hause zu sein als Mutter von sechs Kindern nicht bedeutet, dass ich permanent mit den Kindern spiele oder bei der Hausübung daneben sitze. Nein, das wäre völlig unmöglich! 

Ich bin in erster Linie als Versorgerin tätig. Ich unterstütze, beantworte Fragen, streiche Brote, erinnere an Termine. Ich schau, dass das Rad läuft. Ich präpariere die Umgebung, in der die Kinder selbstständig wachsen dürfen. Das sehe ich als meine Hauptaufgabe. Dass ich dann ab und an mal ein Schiff aus Lego baue oder das Vogel-Quartett spiele, das ist die Draufgabe, aber kein Must-Have. 

Nun stellt sich noch einmal die Frage, die derzeit medial unter dem Stichwort Tradwife-Konzept diskutiert wird: 

Muss/darf/soll ich als Mutter von mehreren Kindern komplett zu Hause bleiben und mich total der Familie widmen? Also meinen fünf Töchtern antworte ich dazu folgendes: 

Kind, mach die Matura. Geh studieren. Mach eine Ausbildung. Bilde dich aus. Und bilde dich fort. Bleib im Lernen. Ein Leben lang. Und dazwischen bekommst du deine Kinder. 

Kinder profitieren von einer gebildeten Mama. Bzw. vor allem von einer zufrieden. Und wenn dich dein Beruf glücklich macht, dann geh diesem Beruf nach. In dem Ausmaß, in dem du das brauchst und immer unter Berücksichtigung der Bedürfnisse deiner Kinder. Denn die sind auch wichtig. Aber nicht nur. Zuerst braucht es eine in ihrer Mitte ruhende Mutter, die danach auf die Bedürfnisse ihrer Kinder schaut! 

Und wenn es dich glücklich macht, zu Hause zu bleiben und deinen Job mal ein paar Jahre an den Nagel zu hängen – auch gut. Aber bilde dich fort! Immer und immer und immer. Denn Bildung ist Wachstum und Wachstum ist Leben! 

Eure Michaela 

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