Klingt jetzt aber echt arg, meint ihr? Ja, find ich eh auch. Wenn ich diese Sätze so schwarz auf weiß hier lese, finde ich auch, dass das arg klingt. Gleichzeitig ist es wirklich so, dass ich es wichtig finde, sich als Mutter oder Vater abzugrenzen vom Kind. Ich spreche nicht davon, ein Schreien-Lassen Programm durchzuführen oder sich nicht für das Wohl der Kinder zu interessieren. Nein, das meine ich damit überhaupt nicht. Noch jedes meiner sechs Kinder hat die ersten Lebensjahre neben mir in einem Bett geschlafen – die ganze Nacht lang. Ich habe alle gestillt. Manche davon sogar zwei Jahre lang. Und ich sorge mich regelmäßig um dies und das in Bezug auf meine Kinder. Weil es mir natürlich wichtig ist, dass es ihnen emotional wie körperlich gut geht. Dass ich sie optimal fördere und dass jedes von ihnen genügend Liebe und Aufmerksamkeit von uns bekommt.
Eltern sind keine Freunde!
Jedoch sehe ich bei vielen Eltern die Tendenz – und auch bei mir selbst ab und an – dass sie das Kind und sich selbst vermischen und dadurch keine klare Sicht mehr auf die Dinge haben. Sie betrachten alles quasi aus der Brille des Kindes und können so dem Kind viel weniger zur Seite stehen, als wenn sie einen Schritt zurückmachen würden. Dabei brauchen Kinder ja einen erwachsenen Begleiter im Leben und kein zweites Ich. Und das ist ja dann schließlich doch unsere Rolle. Wir sind nicht die Freunde von unserer Kinder, wir sind ihre Eltern.
Sich einzufühlen und versuchen, nachzuvollziehen, welche Sorgen und Ängste das Kind hat – ja. Aber bei Sorgen des Kindes ebenfalls in Sorgenstarre zu verfallen, das bringt niemandem etwas. Schon gar nicht dem Kind. Ich erinnere mich, dass meine Mama immer wieder zu mir gesagt hat, dass, wenn es mir nicht gut geht, es auch ihr nicht gut gehe. Das hat mir überhaupt nicht geholfen. Ganz im Gegenteil. Es war ja genug, dass es mir nicht gut gegangen ist, ich wollte echt nicht, dass es meiner Mama dann auch nicht gut geht.
Nicht alles richtig, aber vor allem nicht all zu viel falsch machen – Darum geht es!
Kurzer Exkurs – so wie wir alle, hat auch meine Mama nicht alles richtig gemacht. Aber sie hat auch nicht all zu viel falsch gemacht. Und ich bin ihr z.B. unendlich dankbar dafür, dass ich mich immer geliebt gefühlt habe. Und dafür, dass sie es geschafft hat, dass ich immer stolz auf mir war und nie mit stärkeren Selbstzweifeln durchs Leben gehen musste. Wollte ich nur kurz anmerken.
Also – wenn Eltern die Gefühle der Kinder zu intensiv übernehmen, dann können sie keine Stütze sein. Dann können sie nicht mehr klar denken. Und daher finde ich es wichtig, dass wir uns abgrenzen. Sie zu unterstützen, an ihrer Seite zu sein. Aber immer mit der ausreichenden Distanz, die die Dinge klarer sehen lässt.
So weit meine Gedanken nach dieser Schulstartwoche – mit drei Institutionswechsel! Aktuell begleite ich gleich drei meiner sechs Kinder bei großen Übergängen: Von der Krabbelstube in den Kindergarten, vom Kindergarten in die Volksschule und von der Volksschule ins Gymnasium. Ich bin dankbar, all diese Veränderungen miterleben zu dürfen. Und mich dadurch wieder selbst intensiv an diese Phasen erinnern zu können. Gerade im Zuge solcher Übergangsphasen brauchen Kinder besonders viel Empathie. UND eben jene Sichtweise aus einer gewissen Distanz heraus. Daher finde ich es wichtig, immer wieder gedanklich einen Schritt zurückzugehen und Themen der Kinder aus dieser Perspektive zu betrachten. Um dann empathisch gemeinsam nach Strategien zur Bewältigung von Herausforderungen zu suchen.
Eure Michaela








Liebe Michaela, ich bewundere immer wieder deine Lebenseinstellung und dass du tatsächlich dein bzw. euer Leben so toll meisterst. Ich hoffe, dass sehr viele Menschen deine psychologisch wertvollen Blogs lesen und sie als wertvollen „Leitfaden“ verstehen.
Alles Liebe Margit