Die Balance zwischen mir und den Kindern halten oder: Eine gute Mutter sollte sich selbst nicht aufgeben!

Die Balance zwischen mir und den Kindern halten oder: Eine gute Mutter sollte sich selbst nicht aufgeben!

Mama, spielst du mit mir? Mama, liest du mir was vor? Mama, Mama, Mama!!! Es gibt Tage, an denen ich dauernd Nein zu meinen Kindern sage. Denn immer dann, wenn mich ein Kind fragt, ob wir etwas zusammen machen wollen, passt es mir gerade nicht. 

Entweder räume ich gerade die Küche, oder ich checke die Emails, zahle Rechnungen ein oder ich habe mich gerade hingesetzt, um ein Buch zu lesen, ein paar Reihen zu stricken oder einfach ein bisschen die Augen zuzumachen. Meistens nehmen die Kinder es gelassen hin, dass ich Nein sage. Gehen sie eben zu einer ihrer Schwestern. Oftmals jedoch bleibt ein bitterer Nachgeschmack übrig. War das Nein jetzt wirklich nötig? Will ich wirklich nicht oder hab ich nur das Gefühl, dass ich jetzt nicht will, weil ich denke, dass etwas anderes wichtiger wäre im Moment. Und: Wieviel Zeit sollte ich mit meinen Kindern aktiv verbringen, damit sie sich nicht vernachlässigt fühlen? Reicht das Vorlesen und Kuscheln am Abend, das gemeinsame Essen und Plaudern, das zwischendurch Signalisieren, dass ich sie sehe und wahrnehme? Oder ist das zu wenig? 

Es gibt so Phasen, da spricht es einfach nicht aus mir heraus. 

Vermutlich sollte ich an dieser Stelle innehalten und in mich hineingehören und dann wüsste ich die Antwort. Aber es gibt eben so Phasen, da spricht es nicht aus mir heraus. Da muss ich vorher nachdenken. Ganz bewusst. 

Ich, ganz der Listenmenschen, habe eine Liste geschrieben mit Dingen, die ich gerne mit meinen Kindern tue: 

  1. Vorlesen bzw. mit den größeren Kindern über Bücher sprechen
  2. Im Garten Ball spielen: Volleyball mit den Größeren, Fußball oder hin- und herschießen mit den Kleineren
  3. Kochen und backen: Das geht ebenfalls mit allen Kindern, wobei K1 und K2 das schon besser können als ich
  4. Wandern, spazieren, Rad fahren 
  5. Theater und Co.

Ab und an male ich auch gerne mit den Kindern oder wir basteln etwas oder starten ein Projekt im Garten. Auch das eine oder andere Gesellschaftsspiel spiele ich gerne. Hoch im Kurs: „Stone Age Junior“ (siehe Link). 

Was hat eigentlich meine Mama früher mit mir gemacht? Radtouren, Spaziergänge, Blätter sammeln, ein bisschen malen, „Mensch ärgere dich nicht“ und „Schnipp Schnapp“. Meine Oma hat Halma mit mir gespielt. Und beide haben mir viel vorgelesen. Aber das war es dann auch schon. Meine restliche Zeit habe ich mit mir selbst verbracht. Oder mit meinen Cousins. Oder mit den Nachbarskindern. 

Ich habe nicht das Gefühl, dass mir als Kind etwas gefehlt hat. Außer Geschwister. Die hätte ich so gerne gehabt. Und Urlaube. Meine Mama hasst es nämlich, auf Urlaub zu fahren, bis heute. In den Ferien war ich immer ganz neidisch auf meine FreundInnen, die nach Italien, Griechenland und Kroatien gefahren bzw. gefolgen sind. Eine ist sogar mal nach Sri Lanka geflogen. Und ich war wieder nur in Salzburg, beim Bruder meiner Mama. 

Ohne Beziehung keine Erziehung – wie auch der dänische Familienexperte Jesper Juul gesagt hat.

Es war also in Summe auch nicht so besonders viel, was mit mir gemacht wurde, aber schon immer wieder etwas. Das ist wohl auch das Entscheidende. Sonst kann keine Beziehung bestehen bleiben und ohne Beziehung geht dann auch keine Erziehung. Wie auch der dänische Familien-Experte Jesper Juul immer wieder betont. Der Punkt ist wohl bei mir jener, dass fünf Kinder am liebsten jeden Tag zumindest ein Mal etwas mit mir alleine machen möchten. Und dann wird es schon viel für mich. Und es bleibt wenig für mich. Umso mehr habe ich in letzter Zeit damit begonnen, mich selbst ins Zentrum zu stellen. 

Hilfe! Führt zu viel Gemeinschaft zur Selbst-Auflösung?

Jede Minute habe ich den letzten Monaten versucht, für mich zu nutzen, überall habe ich mein Buch, mein Strickzeug mitgenommen – sei es zur Sandkiste oder in den Hasenstall hinterm Haus – damit ich etwas für mich alleine tun kann. Ein bisschen scheint es mir aber nun, als hätte ich vergessen, dass ja auch die Zeit mit meinen Kindern mir gut tut und dass ein Spiel gemeinsam auch für mich ganz persönlich eine Freude ist und nicht ein Gefallen sein muss, den ich meinem Kind dabei tue. 

Es ist wirklich schwierig, die Balance zu finden und zu halten zwischen Sich-selbst nicht vergessen und trotzdem gemeinsam sein. Eventuell für mich als Einzelkind besonders, da ich oftmals das Gefühl habe, zu viel Gemeinschaft führt zu meiner Selbstauflösung, die es zu vermeiden gilt, während ich gleichzeitig aber schon auch spüre, wie sehr mir Gesellschaft gut tut. 

Ja, ich bin gerne allein mit mir selbst. Ja, ich bin gerne mit meinen Kindern zusammen. In unserer Gesellschaft klingt ersteres viel besser als zweiter. Denn die Importanz des Ichs ins Zentrum zu stellen ist weit populärer als eine Frau, die gerne Mama ist, zu thematisieren. Dabei kommt es wohl einfach auf die richtige Mischung für sich selbst an. Ich bin stolz, Mama zu sein! Sie auch?

Hier kommentieren

1 Kommentar