Dieser Text ist eine Auftragsarbeit meines Mannes. „Könntest du nicht einen Text genau über diesen Moment schreiben? Über diesen Moment, in dem gerade alles so wunderbar ist. Und an den ich mich in 10, 20, 30 Jahren mit dir gemeinsam zurückerinnern möchte. Ich will dann die rosa-rot leuchtenden Blüten unseres Strauches vor der Terrasse vor mir sehen, die rot blühenden Rosen in der Böschung, das glitzernde Wasser, die saftige Wiese und die Seifenblasen, die Kind 5 soeben im Garten vom Wind in die Luft wehen lässt und denen Kind 6 hinterherjagt. Und ich will dann wieder das Klavierstück in meinen Ohren haben, das Kind 3 gerade spielt.“ Mit diesen Worten hat mein Mann diesen Auftrag erteilt. Natürlich habe ich Ja gesagt.
Mein Mann ist Romantiker. Und Pragmatiker ist er auch. Er ist beides in einem. Ich kann nicht sagen, welche Ader stärker ausgeprägt ist. Ich denke zweitere, was im Alltag ganz praktisch ist. Ersterer widme ich nun diesen Text.
Samstagmittag, die Sonne scheint, kaum Wolken am Himmel. Es ist der Samstag vor dem Pfingstmontag. Mein Mann hat an allen drei freien Tagen frei. Er muss nicht ins Krankenhaus. Viel Zeit liegt vor uns.
Hinter uns liegt eine volle Woche. Ich hatte viele Termine, mein Mann hatte viele Termine. Bei den Kindern ist sowieso immer viel los. Ein herzerfüllendes Dankbarkeitsfest im Waldkindergarten, Vereinsbesprechungen, Elterngespräche – das alles zusätzlich zum üblichen Reigen der zeitlichen Vorgaben durch die verschiedensten Verpflichtungen.
Mit voller Zufriedenheit aus dem Bauch heraus
Es ist 12.30 Uhr, mein Mann und ich sitzen auf der Terrasse und trinken ein Glas Weißwein. Mein Mann hat einen wunderbaren Teller voller Büffelmozzarella und Tomaten mit Avocado für mich, unser K2 und ihn zubereitet. Den haben wir gerade genossen. Die jüngeren Kinder haben aufgeschnittenes Gemüse und Bratkartoffeln bekommen. Dazu Apfelsaft. Es haben also alle Familienmitglieder soeben gut gegessen – außer dem Kleinsten. Der hat seine Reserven mit zwei Gläsern Apfelsaft pur gefüllt. Und nun sind alle voller Zufriedenheit – aus dem Bauch heraus.
Und so sitzen wir nun also da. Zu zweit. Der Garten ist voller Grüntöne durchzogen von bunten Tupfen. Die Wiese voller Gänseblümchen, Hahnenfuß und Klee. Die Bienen summen. Es ist nicht zu heiß und nicht zu kalt. Es ist Ende Mai. Vielleicht der schönste Monat im Jahr.
Das Minuten-Glück, für das sich das alles lohnt
Die Kinder tummeln sich vor uns auf der Wiese. Inmitten Hunderter Seifenblasen. Es ist fast kitschig. „Fast“ nur deshalb, weil wir wissen, dass dies meist nur kurze Momente sind. Schon wenige Minuten später wird K6 K5 die Seifenblasen aus der Hand schlagen, K5 weinend und schreiend vor Wut ins Zimmer stapfen, K4 wird sich ins Trampolin hinters Haus verziehen.
Und während genau jetzt in diesem Moment K2 und K3 für die nächste Woche anstehende Radfahrprüfung fahren üben gehen, darf ich mich – im Auftrag meines Mannes – ins Büro verziehen und diesen Text schreiben.

Damit wir das alles nicht irgendwann vergessen haben werden
Damit wir das alles nicht irgendwann vergessen haben werden. Wenn sie alle groß sind und aus unserem Haus ausgezogen. Und es still ist bei uns. Und weniger bunt. Und niemand mehr Seifenblasen in die Luft bläst und dann auf der Terrasse verschüttet.
Dann wollen wir daran denken. Gemeinsam. Wenn wir, wer weiß, vielleicht bereits in einem kleinen Häuschen am Waldrand sitzen, wieder mit einem Glas Wein in der Hand und uns an diese Zeit voller Leben zurückerinnern. In einem kleinen Haus am Waldrand deshalb, weil unser Haus dann für uns beide bereits viel zu groß geworden sein wird und wir es daher bereits an eines unserer Kinder weitergegeben haben werden.
Bis dahin liegt noch viel vor uns, hoffe ich. Und gleichzeitig ist so viel da. Jetzt. Dieser Text ist für meinen Mann. Für unsere gemeinsame Zukunft, wenn wir alt und runzlig sind und zurückblicken auf so viele Jahre, in denen wir uns oft – obwohl wir beide frei hatten und zu Hause waren – gar nicht viel austauschen konnten, weil immer irgendein Kind gerade was brauchte. Weil, sobald wir einen Satz zueinander sagen konnten, bereits ein Mama oder ein Papa aus dem Garten, vom oberen Stock oder von direkt daneben gerufen kommt. Weil es echt hart ist, Paar zu bleiben und Eltern zu sein. Und gleichzeitig auch so schön. So erfüllend. So sinnvolll. Ich bin so voller Dankbarkeit, dass ich dieses Leben so leben darf – mit dir, mein Mann, der du der mir wichtigste Mensch in meinem Leben bist.
Ich danke dir für diesen soeben beschriebenen und für die vielen anderen so wunderschönen Momente, die wir bereits gemeinsam erlebt haben!
Deine Michaela







