Es ist schon eher ein Ausnahmefall, dass jemand nicht zumindest mit der Wimper zuckt, wenn ich erzähle, dass ich sechs Kinder habe. Meist werde ich zuerst mal gefragt, ob das alles meine seien. Weil – das gibt es doch heut zu Tage eigentlich gar nicht mehr! Wer bitte bekommt sechs Kinder?! Noch dazu freiwillig.
Oder waren die eh nicht alle geplant? Doch, schon. Waren alle geplant, besser gesagt: Gewünscht. Nein, Zwillinge sind keine dabei.
Und wie weit sind die auseinander – altersmäßig? 17, fast 16, 10, 9, 6 und 2,5 Jahre. (Stand Frühling 2026). Also zwei knapp hintereinander, dann eine Pause, dann zwei ganz knapp (13 Monate, trotz Stillen übrigens!), dann kurze Pause, dann vier Jahre Pause. Aus.

Nein, jetzt will ich kein Kind mehr. Mein Kinderwunsch hat sich tatsächlich mit Kind sechs erledigt. Er ist dem angenehmen Gefühl, komplett zu sein, gewichen. Außerdem könnte ich das jetzt auch einfach nicht mehr – kräftemäßig, nervenmäßig und was meine Geduld, meine Freiheit wieder aufschieben zu müssen, betrifft. Noch einmal neu anzufangen, nein, kann ich mir einfach nicht mehr vorstellen.
Obwohl alles recht gut läuft. Um nun auf die Frage, wie das denn gehen kann, näher einzugehen.
Also: Es läuft vor allem alles geplant und organisiert.
Sechs Kinder laufen nicht mehr einfach nebenher. Sondern sind definitiv ein Business. Auch wenn ich immer und nun wieder vermehrt gearbeitet habe (erwerbsmäßig meine ich), arbeite ich die Familie und den Haushalt betreffend stundenmäßig am allermeisten.
Besonders viel Aufwand steckt in Planung und Struktur. Diese Zeit spare ich dann bei den konkreten Tätigkeiten. Ich organisiere straff und ökonomisch. Verbinde Wege, reduziere Arbeitsschritte, koche vor, bereite vor, versuche so effizient wie möglich zu sein. Und: Ich habe Mut zur Lücke.
MUT ZUR LÜCKE
Ich stelle nicht jeden Tag ein megatolles Menü auf den Tisch. Ich schaue auf die Ausgewogenheit, nicht auf die Haubenqualität. Ich achte auf die Gesundheit, wenig Salz, wenig Zucker, wenig Trash. Viel Gemüse, viel Obst, viel Vollkorn, wenig Fleisch.
Ich backe kaum selbst, Brot nie, Kuchen ab und an. Ich mach kein Müsli selbst, ich schneid Bananen ins Joghurt. Ich koch Suppe mit Würfel und schneide täglich zwei ganze Gurken auf. Es gibt weder Braten noch Torten mit Schichten. Das alles dauert mir zu lange.
Ich bügle nicht, ich wasche nur und trockne dann (im Trockner). Die Bettwäsche, die ich frisch beziehe, ziehe ich in der Früh ab, werfe ich zu Mittag in den Trockner und kommt direkt wieder aufs Bett. So gibt es zwar keine Abwechslung im Style, dafür Sauberkeit im Bett.
Ich falte keine Hand- und keine Geschirrtücher. Ich sortiere keine Unterhosen und nicht einmal die Socken. ICH NENNE DAS EFFIZIENT. Und nehme die Kinder „in die Pflicht“. Sie dürfen sich ihre Sachen selbst aus den extra dafür geschaffenen Gewaschen-Körben holen. Und anziehen. Das spart mir viel Zeit und verbraucht nicht viel Zeit der Kinder.
SELBSTSTÄNDIGKEIT
Überhaupt setzte ich sehr viel auf Selbstständigkeit. Ab dem Gymnasium darf die Jause selber gemacht werden, ich stelle die Zutaten zur Verfügung und stelle sie auf den dafür vorgesehenen Platz. So stelle ich auch sicher, dass kein Trash in die Box kommt.
Die Volksschulkinder dürfen einmal die Woche (wenn mein Mann nicht da ist am Abend) ebenfalls ihre Jause selbst machen. Das spart mir Zeit und wir kommen ins Gespräch in der Küche.
Überhaupt ist Mithilfe in der Küche ein super Türöffner für Gespräche. Denn beim gemeinsamen Werken kommen oft die meisten Wörter raus. Das finde ich sehr schön.
IN VERBINDUNG BLEIBEN
In Verbindung zu bleiben ist mir das wichtigste in meiner Elternschaft. Auch wenn nicht viel Zeit mit jedem Kind alleine bleibt, will ich wissen, was bei ihnen grad so los ist. Was sie beschäftigt, quält, sorgt, freut, fasziniert. Und sie sollen auch wissen, was ich denke, fühle, sage.
Authentisch ist das Stichwort: Ich will authentisch bleiben und ich wäre keine authentische Mutter, wenn ich alles auf Haushalt und Kinder setzen würde.
Ich will meine Arbeit machen, ich liebe sie, sie macht mir Spaß, sie macht mich aus. Ich habe nämlich was gelernt, was mir Freude gemacht hat. Das war stets der Rat meiner Mutter – hör auf dein Herz. Ich würde allerdings – und meine älteren Töchter kommen ja bald in diese Situation – nun in diesen unsicheren Zeiten hinzufügen: Hör auf dein Herz und wähle mit Vernunft. Denn oft gibt es mehrere Wege in der Ausbildung, die alle zu einer Herzenssache führen können. Die einen mit mehr, die anderen mit weniger Effizienz. Ich hab diesbezüglich nicht unbedingt den sinnvollsten Weg eingeschlagen mit meinen zwei Studien. Aber das ist ein anderes Thema.
Zurück zur Selbstständigkeit, die ja auch das große Ziel der ganzen „Erziehung“ ist. Wie soll sie sich einstellen, wenn sie nicht ausprobiert und gelebt werden darf? Meine Kinder dürfen die Wege selber machen. Ich bin kein Taxi und brauch auch keines zu sein, weil wir zum Glück sehr praktisch wohnen.
Turnverein, Schule, Musikschule – alles zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem (analogen) Roller erreichbar. Und diese Wege schaden nicht. Die Kinder sitzen eh viel zu viel. Auch wenn es oft schwer zu argumentieren ist, denn die meisten Kindern werden von ihren Eltern mit dem Auto gebracht. Zum Turnen, zur Schule, überallhin und zu jeder Zeit. Ich kann und will das gar nicht. Ich finde es wichtig, dass sie selbst hingehen.
Und so mach ich mir das Leben leichter und habe Zeit für die Kinder und vor allem für mich. Und so geht das dann. Ganz gut sogar. Ich bin noch da. Mit Leidenschaften, Freundschaften, Hobbys. Und gleichzeitig bin ich Mutter.
MUT
Ja, es braucht Mut, diesen Weg zu gehen und auch Kompromissbereitschaft, Geduld und Organisationsfähigkeit. Wer das hat – bekommt am besten mehrere Kinder. Denn was gibt es schöneres, stärkenderes und wichtigeres als eine große Familie?!
Eure Michaela







