Wir bestimmen das „Was“, unsere Kinder bestimmen das „Wie“ (mit). So lautet in vielen Fragen unser Credo zu Hause. Zum Beispiel entscheiden mein Mann und ich, wo wir hinreisen. Meine Kinder dürfen die Details mitentscheiden. Welches Ferienhaus, welche Ausflüge etc.? Gehen wir essen oder kochen wir zu Hause? Natürlich haben wir das große Ganze im Überblick. Wenn das Budget ausgeschöpft ist, dann wird gekocht. Wenn das Ferienhaus so teuer ist, dass wir es uns nicht leisten wollen oder können, dann legen wir ein Veto ein. Doch alles im Rahmen. So viel Mitbestimmung wie möglich, so viel Vorgaben wie nötig. Wir müssen unsere Grenzen wahren und gleichzeitig auf die Gemeinschaft schauen. Auch so ein Glaubenssatz, der uns wichtig ist. Schau auf dich UND auf die anderen. Nur wenn es dir gut geht, kannst du auch für die anderen da sein.
Das gilt auch für die Kinder. Wenn du eine Pause brauchst und Zeit für dich – dann nimm sie dir. Außer es ist gerade eine Ausnahme. Wenn wir gerade einen Geburtstag feiern zum Beispiel. Dann raten wir den Kindern schon dazu, sich nicht ausgerechnet in diesem Moment ins Zimmer zu verkriechen, sondern noch die eine Stunde abzuwarten. Manchmal geht das aber einfach nicht und dann muss gleich eine Auszeit her. Dann ist das eben so. Zur Gemeinschaft gezwungen wird bei uns niemand.
Vor allem im gemeinsamen Urlaub, wenn der Tag keine klaren Strukturen hat und wir sehr viel Zeit gemeinsam verbringen, kann es echt schon mal zu viel WIR werden. Mir geht es auch so und ich kommuniziere das dann klar. Ich brauche jetzt mal Zeit für mich. Das ist nichts gegen dich sondern etwas für mich.

Ich kümmere mich um mich, damit ich mich dann wieder um dich kümmern kann. Viele Eltern trauen sich diese Zeit nicht nehmen und sind dann in so einem permanenten Zwischending. Sie sind da und doch nicht wirklich. Schauen nebenbei aufs Handy. Beamen sich gedanklich weg. Ich kenne das. Es geht mir auch immer wieder so. Und nicht immer gelingt es mir, das früh genug zu erkennen und dann zu entscheiden, kommuniziere ich jetzt offen, dass ich gerade eine kurze Pause brauche oder schaffe ich es, die Pause auf einen passenderen Zeitpunkt zu verschieben. Wie dringend ist es schon? Kann ich noch warten? Oder muss der Kaffee in Ruhe jetzt gleich sein?
Bewusste Kommunikation mit sich selbst ist eine wichtige Fähigkeit – gerade für Eltern, die viel zu Hause sind und mit sich und den Kindern allein. Denn während in der Arbeit vieles klar geregelt ist und Austausch mit den KollegInnen da ist, ist man zu Hause oft auf sich selbst gestellt. Und wenn der Partner am Abend (endlich) nach Hause kommt, ist meist auch grad weder der Rahmen für eine Pause (weil Abendwahnsinn) oder für Austausch (weil Abendwahnsinn). D.h. um 17 Uhr ist – zumindest bei uns – grad wirklich nicht der Moment, unerfüllte Bedürfnisse abzuarbeiten. Außer vielleicht in Form eines ganz bewussten Schluckes klaren Wassers, der tatsächlich ein bisschen das Nervensystem runterfahren kann. Alles anderes darf warten um diese Uhrzeit. Daher ist es wichtig, kleine Oasen für sich selbst untertags einzubauen. Wie? Es gibt immer eine Möglichkeit! Und die Kinder werden sich daran gewöhnen. Sie wollen ja, dass es den Eltern gut geht. Verantwortlich dafür sind sie jedoch nicht. Das sind nur wir selbst. Daher: Trauen wir uns mehr, uns um uns selbst zu kümmern! Für unsere Kinder. Und für uns.
Eure Michaela







