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Mama im Business oder: Über das Ärgernis, dass Kinderbetreuung bei uns einen so geringen Stellenwert hat

Mama im Business oder: Über das Ärgernis, dass Kinderbetreuung bei uns einen so geringen Stellenwert hat

In wenigen Tagen werde ich 41 Jahre alt. Zeit zum Nachdenken – und rechnen. 2132 Wochen lang bin ich auf dieser Welt. Ich habe sechs Kinder bekommen und war folglich rund 240 Wochen schwanger. 312 Wochen lang habe ich ungefähr gestillt. Ich habe also meinen Körper 552 Wochen mit jemandem geteilt. Jetzt gehört er wieder mir. Und das feiere ich. 

Ich habe abgestillt. Das ist gut so und gibt mir neue Kraft sowie die Gelegenheit, ein Fazit zu ziehen und nach vorne zu blicken. Nämlich in Richtung meiner eigenen Zukunft. Auch wenn ich immer noch Mama von kleinen Kindern bin und das auch noch für eine etwas längere Zeit sein werde – K6 ist ja erst 2 Jahre alt – das Abstillen gibt mir neue Möglichkeiten und neue Energie. 

Was jetzt? 

Ich habe mit knapp 24 Jahren mein erstes Kind bekommen, mein zweites mit 25 und die weiteren vier dann mit 31, 32, 35 und 39. Mein berufliches Leben war also durchaus, sagen wir mal, durchwachsen. Seit Anfang 20 habe ich keinen Vollzeitjob mehr gemacht, war immer nur maximal Teilzeit und meist auf selbstständiger Basis tätig. Ich habe zwei Studien abgeschlossen, mehrere zertifizierte Zusatzausbildungen gemacht und war fast nie gar nicht im beruflichen Leben aktiv. 

LinkedIn und Mutterschaft 

Trotzdem fühlt es sich komisch an, wenn ich mit Anfang 40 neben anderen Frauen stehe, die schon viele Jahre fix im Berufsleben waren und aus dem Nähkästchen plaudern. Da fühle ich mich dann manchmal fast noch wie ein Kind. Auf LinkedIn, dem beruflichen Online-Netzwerk Nummer 1, bei dem ich gerade mein Profil ausfülle, gibt es gar keine Möglichkeit, sechs Kinder und Haushaltsmanagement als Qualifikation und berufliche Tätigkeit auszufüllen… . Der Stellenwert dieser Tätigkeiten in der Business-Welt scheint sich also in Grenzen zu halten. 

Beruf: Hausfrau?! 

Nein, ich habe keine Ahnung wie das ist, wenn man jeden Tag in der Früh in den Job geht und müde erst am Abend wieder nach Hause kommt. Ich arbeite viel von zu Hause aus und kann mir meine Tätigkeiten selbst einteilen. Ich habe Abgabetermine und bin viel selber am Schauen, wie ich zu Aufträgen komme. Auch das ist oft herausfordernd, doch alles immer im geringen Ausmaß. Denn mein Hauptjob ist: „Die Familie“. 

Und ich bin stolz darauf, eine große Familie zu haben und mich um diese zu kümmern. Ich möchte gar keinen 24/7 Job haben, wenngleich ich eigentlich diesen bereits ausführe. Nur halt unentgeltlich und durchaus auch nicht besonders prestigeträchtig. 

Falsche Werte 

Genau das finde ich auch echt schade. In unserer Gesellschaft haben Jobs wie Mama-Sein, Haushalt führen und auch solche, für die (wenn auch viel zu wenig) bezahlt wird – wie Kindergärtnerin oder Volksschullehrerin – leider einen viel zu geringen Stellenwert. Ich habe zu diesem Thema kürzlich mal mit ChatGPT gesprochen und auch „der“ oder „die“ hat mir bestätigt, dass in Österreich das Ansehen von z.B. Kindergärtnerinnen sehr gering sei. Hingegen in Skandinavien z.B. sei deren Ansehen sehr hoch. 

Das sagt viel über unsere Gesellschaft aus und wie unsere Werte verteilt sind. Eigentlich müssten jene Personen, die sich um Kinder kümmern, den höchsten Stellenwert haben! Schließlich sorgen sie für die Zukunft unseres Landes. Doch in diesen Dimension wird in Österreich schon lange – so habe ich den Eindruck – nicht mehr gedacht. Es geht leider sehr oft um kurzfristige „Lösungen“ und um Wählerstimmen. Und bekanntlich haben Kinder keine Stimme. Und Mamas und Papas oft auch zu wenig Zeit, sich mit Politik zu beschäftigen. Ich bin ja der Meinung, dass Familien ein stärkeres Gewicht bei Wahlen haben sollten!

Dänemark, wir kommen!

So weit, so politisch und so komme ich nun lieber wieder zu mir zurück, bevor ich mich zu weit hinauslehne. Ich werden also 41 Jahre alt. Ich habe meinen Körper wieder zurück. Und ich bin bereit, in neue Abenteuer zu hüpfen – zusammen mit meinem Mann und meinen sechs Kindern. 

Das nächste etwas größere Abenteuer, das vor uns liegt, ist unser Dänemark-Urlaub in den Osterferien. Ich sage nur – Reetdachhäuschen direkt an der wilden Nordsee in Nordjütland. Da wird’s sicher stürmisch! Aber da ist noch ein kleines Stück weit hin. Nicht nur kilometertechnisch… auch zeitlich. Sieben Wochen, um genau zu sein. Aber ich spüre schon den Sturm, der meine Haare zerzaust. 

Eure Michaela 

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1 Kommentar
  • Hut ab vor deiner Leistung!!!! Du hast keinen 8 Stunden Job, deiner dauert 24 Stunden und das 7 Tage die Woche!….ohne Pensionsanspruch bzw Urlaubsgeld usw! Was soll man da endlich der Pilitik raten? Mitdenken und endlich Ändern! Umarmung!