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„Mama, du bist irgendwie gar nicht bei der Sache“ oder: Wie ich mich fühle, habe ich selbst in der Hand

„Mama, du bist irgendwie gar nicht bei der Sache“ oder: Wie ich mich fühle, habe ich selbst in der Hand

Eigentlich hätte das ein super erledigungsreicher Vormittag werden sollen. Ich hatte mit meinem Mann vereinbart, dass er die Kinder in den Kindergarten und in die Krabbelstube bringen wird und ich somit bereits eine knappe Stunde früher als sonst mit meinen Arbeiten beginnen kann. Und weil wir zudem ausgemacht hatten, dass er auch die Abholfahrten übernehmen wird (normalerweise mache das meistens ich, schließlich ist er in der Früh um 05.30 Uhr schon außer Haus und kommt nicht vor 17 Uhr zurück), hätte ich sogar gleich zwei Zusatzarbeitsstunden gehabt. 

Ich hatte eine soooo lange ToDoListe. 

Doch irgendwie hab ich heute nicht viel geschafft. Kennt ihr diese Tage? An denen irgendwie gleich von Beginn an etwas „hundst“ oder „feigelt“ wie man auf oberösterreichisch so sagt und sich diese Feiglerei dann irgendwie aufs Gemüt schlägt und dann ist alles nur mehr doof. 

So ein Schleier von Doofheit liegt dann über meinem Gesicht und nervt und mein Genervtsein über diesen Schleicher nervt mich dann doppelt und dann bin ich nie ganz bei der Sache mit den Kindern, wenn sie dann von Schule und Kindergarten und Krabbelstube wieder zurück sind, weil ich die Feiglerei ja gerne beheben möchte. Und dann sagt auch noch K5 zu mir: „Ich hab das Gefühl, du bist irgendwie gar nicht bei der Sache. Nie bist du bei der Sache.“ Und das sitzt dann. Das tut mir weh. Weil sie recht hat. In diesem Moment. Und in allen anderen Momenten – naja. 

In erster Linie bin ich: Hausfrau

Eigentlich habe ich schon das Gefühl, dass ich sehr viel bei den Kindern bin. Physisch. Das auf jeden Fall. Schließlich bin ich ja in erster Linie eine sogenannte „Hausfrau“. Auf die Frage, wo die Mama sei, antworten meine Kinder meistens: „In der Küche.“ Es gibt ja bei acht Leuten auch echt immer irgendwie ein Futter, das zubereitet werden will. Jausenfutter. Geburtstagsfutter, tägliches Mittagsfutter. So viel Essen, wie bei uns umgeschlagen wird, da hätte sich eine Kochlehre direkt ausgezahlt bei mir. Da hätten viele Leute was davon gehabt. Als Theaterwissenschafterin aus einem Haushalt kommend, in dem nicht gekocht und gebacken wurde, musste ich mir das Kochen erst mühsam anlernen. Und ganz ehrlich – ich bin nicht weit gekommen. Immerhin kann ich nun das Standardprogramm der guten Familienküche – von Kartoffelgulasch über Gemüsesuppe und Lasagne. Da gibt es fast nichts mehr zu meckern von Kinderseite her. 

Aja, da wären wir wieder beim Meckern. Also heute gibts was zu meckern. Aber ich bin die, die meckert. Und zwar über dieses blöde Instagram. Das lässt sich nämlich heute bei mir weder am Laptop noch am Tablet öffnen. Bloß am Handy und da lässt sich aber wieder der Text nicht reinkopieren, den ich geschrieben habe für den Social Media Kanal des besten Kindergarten der Welt. Unser K5 geht ja in einem Waldkindergarten und bei diesem Kindergarten übernehmen die Eltern diverse Arbeiten. Und ich bin seit kurzem für die Textproduktion für Insta und Facebook zuständig. Und daher hab ich auch den Anspruch, jeden Freitag – wie auch hier – Inhalt zu liefern. 

Das Schleier-Ärger-Gefühl

Ein kleiner netter Text und ein Bild. Beides wäre fertig. Aber ich kann es nicht posten. Weil dieses depparte Instagram auf dem Laptop sich nicht öffnen lässt. Und auch am Tablet feigelts. Und eigentlich ist das kein großes Ding. K3, die meinen Ärger nach der Schule mitbekommen hat, hat mich gefragt, was denn passiert, wenn ich das jetzt nicht zum Laufen bringe. Da habe ich gesagt: Eigentlich gar nichts. Und damit ist eigentlich alles gesagt. Eigentlich gehts um nichts. Und trotzdem macht es mir ein schlechtes Gefühl. Das ist das gleiche schlechte Schleier-Ärger-Gefühl, das ich auch bekomme, wenn ich etwas verlegt habe. Zum Beispiel ein Geschenk, das ich schon Monate im Voraus gekauft und dann so gut versteckt habe, dass ich es bei Bedarf schließlich selbst nicht mehr finden kann. Da könnt ich durchdrehen. Da renn ich dann von Raum zu Raum, bin nicht mehr ansprechbar und total fokussiert auf diese eine Sache. 

Bis ich mich dann irgendwann wieder schaffe abzulösen von dem Thema, eine neue Lösung finde und es loslasse. Dann geht es wieder. Und meistens taucht der gesuchte Gegenstand auch in Bälde darauf wieder auf. Aber bis dahin… bin ich nicht ganz bei der Sache. Wie K5 heute so schön gesagt hat. 

Es ist eine Frage der Entscheidung

Bin ich aber auch an vielen anderen Tagen echt nicht bei der Sache? Ich werde sofort wieder mehr darauf achten. Was ich jedenfalls weiß ist, dass es mich total runterholt, wenn ich mich ab und an ganz bewusst dazu entschließe, mit einem Kind oder auch mit mehreren gleichzeitig ein Buch zu lesen, ein Spiel zu spielen oder etwas zu basteln. Das tut mir selbst richtig gut. Und den Kinder gefällt das auch. Das muss dann auch gar nicht lang sein. Da reicht oft eine halbe Stunde. Aber die tut richtig gut. Es ist eine Frage der Entscheidung – im Hier und Jetzt zu sein. Den Ärger hinter sich zu lassen. Die Denkweise zu verändern. So lassen sich die Gefühle verändern. So lässt sich das Leben bewusst gestalten und lenken. Wie ich mich fühle, habe ich selbst in der Hand. Eigentlich weiß ich das ja alles, trotzdem war heute ein blöder, nicht so wiegeplantproduktiver Vormittag.

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Kommentare
  • Wir alle haben solche Tage und Du bist auch nur ein Mensch… und ich glaube, ein ganz schön toller! Das so aus der Ferne, über deine Artikel hier, bei denen ich immer mal wieder gucke, ob es einen neuen gibt 🙂 weil ich dich/euch so sympathisch finde. Liebe Grüße und…. morgen ist ein neuer Tag!
    Alles Gute von Berit, aus Hannover in Norddeutschland 🙂

  • Aber diese Tage sind auch wichtig, denn sonst könnte man die guten nicht wertschätzen! Also, auf Regen folgt immer wieder Sonnenschein! Also, keep cool und hab Sonne im Herzen!